Lokale Liköre

Spezialitäten Was ist?

Die meisten kennen Namen wie Cointreau, Chartreuse, Drambuie, Malibu oder Frangelico wohl sehr gut. Dies sind einige der Global Player im Bereich der Liköre. Angefangen haben aber auch diese als kleine Lichter und meist als Ergebnis einer langen Versuchsreihe innerhalb der jeweiligen Familien. Wir schauen uns heute lokale Liköre an. Besonders gern haben wir die mit ungewöhnlichen oder witzigen Namen. Bevor wir aber dazu kommen, folgt erst einmal eine kleine Lehrstunde. Wir schauen uns an, was genau ein Likör ist und wie die Herstellung abläuft. Dann geht es nach Westdeutschland, genauer gesagt ins Ruhrgebiet. Der Pott hat in Sachen Spirituosen nämlich einiges zu bieten.

Natürlich vernachlässigen wir auch die anderen Regionen nicht. Aus dem Ruhrgebiet geht es geradewegs in den Süden und schließlich nach Nord- und Ostdeutschland. Immer dabei: die passenden Produktempfehlungen. Am Ende unserer Rundreise durch Deutschland sind sie garantiert Experte in Sachen lokale Liköre.



Was ist Likör?

Nun gibt es offensichtlich weit mehr kleine Likörhersteller als Spirituosenbrenner. Da stellt sich die Frage, was genau eigentlich einen Likör ausmacht und wie man einen solchen herstellt.

16286_Grand_Marnier_100Per Definition darf ein in der EU hergestellter Likör aus folgenden Zutaten bestehen: Eine alkoholische Basis, Zucker oder Süßungsmittel, Wasser, Aroma, Farbstoff und falls gewünscht auch Sahne. Die alkoholische Basis ist dabei nicht näher definiert. Gerade bei den günstigeren Likören handelt es sich meist um einen Neutralalkohol agrarischen Ursprungs. Teilweise werden auch besonders hochwertige Spirituosen als Basis für qualitativ außerordentliche Liköre verwendet.

Drambuie Whisky-LikörSo zum Beispiel die Grand Marnier Cuvée de Centenaire  mit einer XO Cognac-Basis oder der Drambuie Whisky-Likör, dem ausschließlich 15 Jahre alter Speyside Malt Whisky zu Grunde liegt. Als Süßungsmittel wird hier Honig benutzt. Die verwendete Menge muss aber vom Süßegrad her immer mindestens 100g Invertzucker entsprechen, sonst ist es kein Likör. Liköre, die mit mehr als 250g Zucker pro Liter hergestellt werden, heißen Crème Liköre. Eine Besonderheit stellt hierbei der Crème de Cassis dar. Dieser muss sogar mindestens 400g Zucker pro Liter enthalten. Farb- und Aromastoffe sind erlaubte Zugaben. Diese dürfen sowohl natürlich als auch künstlich sein.

Auch wenn dies zunächst nach einer großen Menge an Regeln und Vorschriften aussieht, so ist es doch bei näherem Hinsehen ganz leicht seinen eigenen Likör zu machen. Man braucht nicht viel mehr als eine alkoholische Basis, Zucker und etwas Geschmacksgebendes. Diese einfache Grundidee ist verantwortlich dafür, dass es überall auf der Welt eine unüberschaubare Vielzahl von Likören gibt, die manchmal etwas seltsam anmuten, mehr oder weniger lustige Namen tragen oder extravagante Zutaten und Farben haben. Einige lokale Liköre mit dem eigenständigsten und kultigsten Charakter wollen wir im Folgenden vorstellen.

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Lokale Liköre: Das Ruhrgebiet und Westdeutschland

ArtilleriefeuerEine Hochburg für lokale Liköre und eigenständige Likörkreationen ist mit Sicherheit unsere Heimatregion, das Ruhrgebiet. Hier hat nicht nur jeder Ort, sondern jeder Stadtteil – wenn nicht sogar jeder einzelne Bezirk – seine eigene, kleine Likörspezialität. Diese decken dabei eine große Bandbreite an Aromen, Farben und Geschmäckern ab. Besonders häufig kommen Halbbitter vor. Das sind zumeist Kräuterliköre auf Basis von Neutralalkohol, die sowohl eine bittere, als auch eine süße oder fruchtige Aromatik aufweisen. Auch Kaffeelikör kann man hier finden.

Borbecker SchloßtropfenZu überregionaler Berühmtheit schaffen es nur wenige Vertreter. Zu Nennen wären das aus Oberhausen stammende ArtilleriefeuerKillepitsch und der Borbecker Schloßtropfen, der hier häufig nur vereinfacht  „Kaseldrop“ genannt wird und ebenfalls ein Halbbitter ist.

Aufgrund der relativ vielen Hersteller im Ruhrgebiet, kommt es immer wieder dazu, dass sich sogar für einzelne Events wie Stadteilfeste neue Likörkreationen am hiesigen Markt etablieren. Über die Qualität der einzelnen Liköre können dabei zwischen den einzelnen Städten und Stadtteilen mit viel Leidenschaft geführte Diskussionen entstehen. Natürlich wird ein Düsseldorfer seinen Killepitsch immer mit mehr Wertschätzung betrachten als einen in seinen Augen eher profanen Steeler Krieger. Letzterer wird zwar nicht in Essen-Steele selbst hergestellt, das stört die Steeler allerdings nicht. Steeler Krieger

Auch der restliche Westen Deutschlands bringt Hier und Dort seine eigenen Klassiker hervor. Bekannt dürfte vielen der Butzelmann aus dem Bergischen Land sein. Und auch der zweithöchste Berg Nordrhein-Westfalens hat seinen eigenen gleichnamigen Likör, den Kahler Asten.

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Süddeutschland

Andechs KlosterbieneEtwas weiter gefasst werden an dieser Stelle die anderen Regionen Deutschlands – auch wenn es dort sicher eine ebenso große Vielfalt und Anzahl von Likörherstellern gibt. Im Süden Deutschlands finden sich dabei vor allem so genannte Klosterliköre. Die Tradition, in Klostern (aus damaliger Sicht) heilende Liköre zu produzieren, hat sich bis heute gehalten. Natürlich ist heute klar, dass es der Gesundheit sicherlich zuträglicher ist, auf den Genuss von Alkohol in Mengen zu verzichten. Der Geschmack der teils edlen und aufwendig hergestellten Liköre kann Liebhaber aber nach wie vor überzeugen. Als Beispiel für eine solche Likörmanufaktur kann hier das Kloster Andechs gelten, das in der Nähe des Ammersees, südwestlich von München liegt. aus diesem stammen viele Kräuterspezialitäten und auch ein hervorragendes Bier.

Andechs KlosterkräuterDie Vielfalt des Angebots an Likören ist dabei erstaunlich groß und reicht von der Klosterbiene mit Honig, über einen Johannisbeerlikör bis hin zu einem klassischen KlosterkräuterlikörStichpimpuli. Das Kloster Andechs steht dabei Pate für viele ähnliche Hersteller, die in ihrer jeweiligen Region meist sehr bekannt sind und hoch geschätzt werden. Insbesondere im Alpenraum gibt es zudem viele Brennereien, die eigentlich auf die Herstellung von Wurzel- und Kräuterbränden spezialisiert sind und zudem ein teils sehr großes Likörangebot haben. Diese stehen den Ruhrgebietskuriositäten in nichts nach. Ebenfalls aus einem Kloster, dem Kloster Walkenried, stammt der für viele besonders kultige: Stichpimpuli. Dessen Name bei näherem Betrachten durchaus Sinn ergibt.

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Nord- und Ostdeutschland

52460_MatjesschluckIm Norden und Osten Deutschlands zeigt sich in Sachen lokale Liköre zunächst ein ähnliches Bild wie im Ruhrgebiet. Und doch ist es wie bei der Küche in den unterschiedlichen Regionen: Man erkennt deutlich, wo die Vorlieben der jeweiligen Bewohner liegen. Hier werden allerlei Kuriositäten mit teils seltsam anmutenden Namen wie zum Beispiel „Mövenschiss“ oder „Spiegelei“ hergestellt und vertrieben. Etwas interessanter sind da schon Varianten wie Ostfriesicher Tee-Likör oder der Matjesschluck. Letzterer ist zwar kein Likör im eigentlichen Sinne, jedoch zeigen diese Beispiele gut, worauf in diesen Teilen Deutschlands Wert gelegt wird. Das Getränk darf durchaus einen Zweck erfüllen und ein Mahl oder den Teegenuss „verbessern“.

KüstennebelNeben Herstellern wie der Preußischen Spirituosen-Manufaktur, die neben ihrem Gin und Vodka auch eine große Variation an Likören herstellt, gibt es Klassiker wie den Heideglut Likör aus der Lüneburger Heide. Abschließend muss eine Spezialität von der Küste, mit der sicher schon viele Bekanntschaft gemacht haben, erwähnt werden: Der Küstennebel aus dem Hause Behn hat wohl schon für so manchen ebenso vernebelten Morgen gesorgt.

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Was sicher klar wird, ist, dass es eine schier unüberschaubare Vielfalt an Likören gibt. Ganz zu schweigen von all den kleinen im Privaten hergestellten Likören und selbst „aufgesetzten“, die nie wirklich in die Öffentlichkeit gelangen. Hoffentlich konnten wir Ihnen einige neue und vielleicht auch amüsante Anregungen geben, die fernab von den großen Namen wie Cointreau, Chambord und Bailey’s existieren.

Wir würden uns freuen, von Ihnen den ein oder anderen Beitrag zum Thema „kuriose Liköre“ zu bekommen. Seien es auffällige Flaschen, extravagante Rezepturen oder lustige Namen. Mit Beiträgen, Fragen, Wünschen und Anregungen wenden Sie sich wie immer an blog@banneke.de. Falls Likör genau Ihr Ding ist, sollte unser Beitrag Klosterlikör – Göttlicher Genuss etwas für Sie sein. Hier finden Sie zudem zahlreiche weitere Beiträge über Liköre.

Falls Sie eher der Cocktail-Typ sind, empfehlen wir unseren YouTube-Kanal, die Schüttelschule. Alle hier vorgestellten Produkte sowie viele andere finden Sie in unserem Online-Shop. Natürlich freuen wir uns auch auf Ihren persönlichen Besuch in unserer Filiale in der Kreuzeskirchstraße 37 in Essen. Falls Sie Ihren Einkauf lieber von Zuhause aus erledigen, reicht auch ein Anruf (0201 24771 0) oder eine Mail an info@banneke.de.

Wir freuen uns auf Sie und verbleiben mit einem herzlichen

CHEERS!

Ihr Banneke-Team

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