Lokale Liköre

Lokaler Liköre

Was ist Likör?

Die meisten kennen Namen wie Cointreau, Chartreuse, Drambuie, Malibu oder Frangelico wohl sehr gut. Dies sind einige der -Global Player- im Bereich der Liköre. Angefangen haben aber auch diese als kleine Lichter und meist als Ergebnis einer langen Versuchsreihe innerhalb der jeweiligen Familien. Nun gibt es offensichtlich weit mehr kleine Likörhersteller als Spirituosenbrenner. Da stellt sich die Frage, was genau eigentlich einen Likör ausmacht und wie man einen solchen herstellt?

16286_Grand_Marnier_100Per Definition darf ein in der EU hergestellter Likör aus folgenden Zutaten bestehen. Einer alkoholischen Basis, Zucker oder Süßungsmittel, Wasser, Aroma, Farbstoff und falls gewünscht auch Sahne. Die alkoholische Basis ist dabei nicht näher definiert. Gerade bei den günstigeren Likören handelt es sich meist um einen Neutralalkohol agrarischen Ursprungs. Jedoch, werden teilweise auch besonders hochwertige Spirituosen als Basis für qualitativ außerordentliche Liköre verwendet.

So zum Beispiel die Grand Marnier Cuvée de Centenaire  welche einen XO Cognac als Basis verwendet, oder der Drambuie 15 dem ausschließlich 15 Jahre alter Speyside Malt Whisky zu Grunde liegt. Als Süßungsmittel wird hier zum Beispiel Honig benutzt. Die verwendete Menge muss aber vom Süßegrad her immer mindestens 100g Invertzucker entsprechen, sonst ist es kein Likör. Liköre welche mit mehr als 250g Zucker / Liter hergestellt werden, werden Crème Liköre genannt. Eine Besonderheit stellt hierbei der Crème de Cassis dar. Dieser muss sogar mindestens 400g Zucker / Liter enthalten. Farb- und Aromastoffe sind freiwillige, aber erlaubte Zugaben. Diese dürfen sowohl natürlich als auch künstlich sein, sofern sie Lebensmitteltechnisch als unbedenklich eingestuft sind.

Auch wenn dies zunächst nach einer großen Menge an Regeln und Vorschriften aussieht, so ist es doch bei näherem hinsehen ganz leicht seinen eigenen Likör zu machen. Man braucht nicht viel mehr als eine alkoholische Basis, Zucker und etwas Geschmacksgebendes. Diese einfache Grundidee ist verantwortlich dafür, dass es überall auf der Welt eine unüberschaubare Vielzahl von Likören gibt die manchmal etwas seltsam anmuten, mehr oder weniger lustige Namen tragen oder extravagante Zutaten und Farben haben. Einige der eigenständigsten und kultigsten Vertreter wollen wir im Folgenden vorstellen.

Das Ruhrgebiet und Westdeutschland

53490_MuckefuckEine Hochburg der -Lokalen Liköre- und der eigenständigen Likörkreationen ist mit Sicherheit unsere Heimatregion, das Ruhrgebiet. Hier hat nicht nur jeder Ort, sondern jeder Stadtteil wenn nicht sogar jeder einzelne Bezirk seine eigene, kleine Likörspezialität. Diese decken dabei eine große Bandbreite an Aromen, Farben und Geschmäckern ab, die nur in den seltensten Fällen tatsächlichen in der Region vorkommen. Häufig handelt es sich um einen, in Deutschland allgemein sehr beliebten, Halbbitter. Das sind zumeist Kräuterliköre auf Basis von Neutralalkohol die sowohl eine bittere als auch eine süße oder fruchtige Aromatik aufweisen. Aber auch Kaffeelikör kann man hier finden. So zum Beispiel der Muckefuck dessen Name ein Dialektwort für kalten Kaffee zitiert.

Zu überregionaler Berühmtheit schaffen es aber auch hier nur wenige Vertreter. Zu Nennen wären da, der in drei verschiedenen Varianten produzierte Dracula, das aus Oberhausen stammende Artilleriefeuer und der Borbecker Schloßtropfen, welcher hier häufig nur vereinfacht  -Kaseldrop- genannt wird und ebenfalls ein Halbbitter ist. 53778_Steeler_Krieger53067_Borbecker_Schlosstropfen

Aufgrund der relativ vielen Hersteller im Ruhrgebiet, kommt es jedoch auch immer wieder dazu, dass sogar für einzelne Events wie Stadteilfeste neue Likörkreationen am hiesigen Markt etabliert werden. Über die Qualität der einzelnen Liköre können dabei, zwischen den einzelnen Städten und Stadtteilen, mit viel Leidenschaft geführte Diskussionen entstehen. Natürlich wird ein Düsseldorfer seinen Killepitsch immer mehr Wertschätzen als einen, in seinen Augen, eher profanen Steeler Krieger. Letzterer wird zwar nicht in Essen-Steele selbst hergestellt, den Steelern ist dies aber natürlich ganz gleich.

Auch der restliche Westen Deutschlands bringt Hier und Dort seine eigenen Klassiker hervor. Bekannt dürfte vielen der Butzelmann aus dem Bergischen Land sein. Und auch der zweithöchste Berg Nordrhein-Westfalens hat seinen eigenen, gleichnamigen Likör, den Kahler Asten.

Süddeutschland

58430_Liebl_Lustiger_OnkelEtwas weiter gefasst werden sollen an dieser Stelle die anderen Regionen Deutschlands. Auch wenn es dort sicher eine ebenso große Vielfalt und Anzahl von Likörhestellern gibt. Im Süden Deutschlands finden sich dabei vor allem so genannte Klosterliköre. Die Tradition, dass in Klostern aus damaliger Sicht heilende Liköre produziert werden, hat sich bis ins heute gerettet. Natürlich ist heute klar, dass es der Gesundheit sicherlich zuträglicher ist auf den Genuss von Alkohol in Mengen zu verzichten, der Geschmack der teils edlen und aufwendig hergestellten Liköre kann Liebhaber aber nach wie vor überzeugen.  Als Beispiel für eine solche Likörmanufaktur kann hier das Kloster Andechs gelten, welches in der Nähe des Ammersees, südwestlich von München liegt. aus diesem stammen viele Kräuterspezialitäten und auch ein  hervorragendes Bier.

Die Vielfalt des Angebots an Likören ist dabei erstaunlich groß und reicht von der Klosterbiene mit Honig , über einen Johannisbeerlikör bis hin zu einem klassischen Klosterkräuterlikör. Das Kloster Andechs steht dabei Pate für viele ähnliche 56699_StichpimpuliHersteller, die in ihrer jeweiligen Region meist sehr bekannt sind und hoch geschätzt werden. Insbesondere im Alpenraum gibt es zudem viele Brennereien, welche eigentlich auf die Herstellung von Wurzel- und Kräuterbränden spezialisiert sind, die zudem ein teils sehr großes Likörangebot haben. Diese stehen dabei den Ruhrgebietskuriositäten in nichts nach, wie der –Lustiger Onkel– von Liebl beweist. Ebenfalls aus einem Kloster, genauer Kloster Walkenried, stammt der für viele besonders kultige: Stichpimpuli  bockforcelorum. Dessen Name, bei näherem Betrachten durchaus Sinn ergibt.

Auch bei unseren südlichen Nachbarn in Österreich und der Schweiz gibt es diese Art von Likör und Schnapsherstellern in großer Zahl und Vielfalt. An dieser Stelle wollen wir uns aber den deutschen Herstellern widmen, da es sonst schwer fallen würde eine Einteilung zu finden. Denn, auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Italien und Frankreich, gibt es eine lange und gut gepflegte Tradition in der Likörherstellung und auch dort ist es guter Brauch, dass man für sich selbst oder das Dorf seinen ganz speziellen, eigenen Likör kreiert. So können sie zum Beispiel darauf wetten, dass jede sizilianische Mutter, ihr eigenes, in ihren Augen perfektes Limoncello Rezept haben wird.

Nord und Ostdeutschland

52460_MatjesschluckIm Norden und Osten Deutschlands zeigt sich dann zunächst ein ähnliches Bild wie im Ruhrgebiet. Und doch ist es wie bei der Küche in den unterschiedlichen Regionen, deutlich zu erkennen wo die Vorlieben der jeweiligen Bewohner liegen. Hier werden allerlei Kuriositäten mit teils auch seltsam anmutenden Namen wie zum Beispiel -Mövenschiss- oder -Spiegelei- hergestellt und vertrieben. Etwas interessanter sind da schon Varianten wie Ostfriesicher Tee-Likör oder der Matjesschluck. Letzterer ist zwar kein Likör im eigentlichen Sinne, jedoch zeigen diese Beispiele gut, worauf in diesen Teilen Deutschlands, vermehrt Wert gelegt wird. Das Getränk darf durchaus einen Zweck erfüllen und ein Mahl oder den Teegenuss noch „verbessern“.

Neben Herstellern wie der Preußischen Spirituosen Manufaktur, welche neben ihrem Gin und Vodka auch eine große Variation an Likören herstellt, gibt es auch noch Klassiker wie den Heideglut Likör aus der Lüneburger Heide. Abschließend muss aber eine Spezialität von der Küste, mit der sicher schon viele Bekanntschaft gemacht haben erwähnt werden. Der Küstennebel aus dem Hause Behn hat wohl schon für so manchen ebenso vernebelten Morgen gesorgt.

Was sicher klar wird, ist dass es eine schier unüberschaubare Vielfalt an Likören gibt die man käuflich erwerben kann. Ganz zu schweigen, von all den kleinen im Privaten hergestellten Likören und selbst „aufgesetzten“ welche nie wirklich in die Öffentlichkeit gelangen. Es gibt unglaublich viel zu entdecken und die Vielfalt an Aromen, Geschmäckern, Alkoholgehalt und Konsistenzen sollte für jeden etwas zu bieten haben. Wir hoffen, wir konnten Ihnen einige neue und vielleicht auch amüsante Anregungen geben, die fernab von den großen Namen wie Cointreau, Chambord und Bailey’s existieren.

Wir würden uns freuen von Ihnen vielleicht noch den ein oder anderen Beitrag zum Thema „kuriose Liköre“ zu bekommen. Seien es auffällige Flaschen, extravagante Rezepturen oder lustige Namen. Mit Beiträgen, Fragen, Wünschen und Anregungen wenden Sie sich doch bitte wie immer an: blog@banneke.de

Cheers!

Ihr Banneke Team.

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