Vodka Martini – Geschüttelt, nicht gerührt

Spezialitäten

Glaubt man den Büchern und Filmen, scheint es für einen gewissen britischen Geheimagenten nichts besseres als einen geschüttelten Vodka Martini geben, um sich das stetige Retten der Welt und Besiegen von Schurken angenehmer zu gestalten. Deswegen haben wir uns für Sie in diesem Blogbeitrag einmal genauer angeschaut, was es mit dem Vodka Martini und James Bonds Begeisterung für den Cocktail auf sich hat. Wussten Sie zum Beispiel, dass nach dem ersten Bond-Buch, Casino Royale (1953), ganze elf Jahre vergehen mussten, bis 007 zum ersten Mal den Satz „Geschüttelt, nicht gerührt“ sagt? Nicht? Dann lesen Sie weiter!

Zusätzlich erklären wir, warum der geschüttelte Vodka Martini unter anspruchsvollen Alkoholkennerinnen und -kennern kein sonderlich hohes Ansehen genießt. Wieso Bond-Autor Fleming überhaupt auf die Idee kam, einen geschüttelten Vodka Martini in seine Bücher einzubauen, erläutern wir gleich mit. Danach möchten wir einen weitverbreiteten Irrtum aus der Welt schaffen. Denn streng genommen ist der Martini, wie ihn Bond genießt, kein Vodka Martini.

Zum Abschluss haben wir einige Rezepte beziehungsweise Variationen des Vodka Martinis für Sie. Die reichen vom Bond’schen Vodka Martini, auch Vesper genannt, über den regulären Vodka Martini bis hin zu ausgefalleneren Cocktails, wie dem verruchten Porn Star Martini.



Der Name ist Bond, James Bond

Wenige Phrasen sind so untrennbar mit Charakteren verbunden wie Darth Vaders „Nein, ich bin dein Vater“ aus Star Wars Episode V und „Einen Vodka Martini, geschüttelt, nicht gerührt“ aus den Büchern und Filmen um den britischen Geheimagenten James „007“ Bond. Doch bis diese Worte den Mund von 007 verließen, zogen einige Jahre ins Land. Zum ersten Mal wird dieser Satz im vierten James-Bond-Buch, Diamonds are Forever (1956), erwähnt. Allerdings verlangt nicht der Geheimagent nach dem Getränk. Stattdessen spricht der Erzähler davon. 

Im ersten Bond-Film, Dr. No (1962), kommt der Satz ebenfalls vor. Aber auch hier gibt nicht James Bond selbst eine Bestellung auf. Der Antagonist, der titulare Dr. Julius No, bietet Bond einen Vodka Martini an. Erst zwei Jahre später, im Film Goldfinger, hatte Schauspieler Sean Connery die Ehre, als erster James-Bond-Darsteller die berühmten vier Wörter zu äußern. Im Verlauf der Bücher bestellt 007 übrigens 19 Vodka Martinis und 16 reguläre Gin Martinis.

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Was ist falsch?

Eingangs haben wir erwähnt, dass Bonds Vodka Martini kein hohes Ansehen bei Spirituosenexpertinnen und -experten genießt. Woran liegt das? Wie viele andere Cocktails wird ein Martini grundsätzlich mit Eis zubereitet. Allerdings werden die Zutaten – im Fall des Vodka Martinis Vodka und trockener Wermuth – normalerweise in einem mit Eiswürfeln gefüllten Glas gerührt.

Denn: Ein gründliches Schütteln mit Eis würde zu zwei Problemen führen. Erstens: Die Eiswürfel würden zerbrechen und so den Cocktail verwässern. Zweitens: Die abgebrochenen Eisbrocken würden den Martini trüben. Ein klassischer Martini wird nämlich ausschließlich aus klaren Zutaten hergestellt. Letzteres hat zwar wenig mit geschmacklichen Änderungen zu tun. Aber ein guter Cocktail sollte auch optisch beeindrucken.

In den Geschichten um 007 wird der Vodka Martini oft in Weingläsern gereicht. Das ist ebenfalls ein Fauxpas. Martinis werden eigentlich nur in Cocktailschalen oder speziellen Martini-Gläsern serviert. Ähnliches gilt für die Zitronenschale. Bond bevorzugt diese als Dekor. Wie Sie aber wahrscheinlich schon wissen: Der klassische Martini wird mit einer grünen Olive garniert.

Zum Abschluss: Laut Jörg Meyer, einem bekannten Barkeeper, gehöre es unter kultivierten Trinkerinnen und Trinkern nicht zum guten Ton, Gin mit Vodka zu kreuzen. Der Bond’sche Vodka Martini ist also ein alkoholischer Affront auf jeder erdenklichen Ebene.

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Flemings Liebe für geschüttelte Martinis

Warum sich Bond-Autor Ian Lancaster Fleming einen Spaß mit Spirituosenconaisseuren erlaubt hat, lässt sich heute nur schwierig nachvollziehen. Das liegt auch an Flemings Tendenz, seine Biografie abenteuerlich und nicht immer wahrheitsgetreu auszuschmücken. Dementsprechend möchten wir Sie darauf hinweisen, der folgenden Version der Geschichte nicht bedingungslos zu glauben.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete Fleming als Korrespondent des Kemsley Newspapers in Berlin. Zu Lebzeiten hatte der Autor stets eine Schwäche für Reisen, Abenteuer, Alkohol und gute Speisen. Die konnte er auf diesem Arbeitsausflug mit Sicherheit ausreichend befriedigen. Während seines Berlin-Aufenthalts lernte Fleming den legendären Barkeeper Hans Schröder kennen. Fleming war begeistert von Schröder und dem trockenen Martini, den er ihm zauberte. Zudem soll Schröder die Martinis für Fleming geschüttelt zubereitet haben. In welchem Lokal sich beide zum ersten Mal begegnet sein sollen, ist unklar. Manche sagen im Kulturhaus Maison de France, andere behaupten im Trader’s Vic.

Zwar erklärt das Flemings Begeisterung für geschüttelte Martinis. Weshalb er aber in den James-Bond-Büchern mehrfachen alkoholischen Regelbruch begangen hat, steht noch nicht fest. Falls Sie eine spannende Antwort erwartet haben, müssen wir Sie enttäuschen. Wahrscheinlich ist, dass Fleming bloß mit einem Augenzwinkern provozieren wollte.

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Bonds Martini versus Vodka Martini

Bisher haben wir viel von Bonds Liebe für den Vodka Martini geredet. Und wenn Sie das Internet nach Bonds bevorzugtem Cocktail durchforsten, stoßen Sie sehr schnell auf zahlreiche Artikel, die vom Vodka Martini berichten. Was wäre aber, wenn wir Ihnen verraten würden, dass Bond – strenggenommen – eigentlich keine Vodka Martinis genießt? Hier ist der Unterschied: Der Bond’sche geschüttelte Martini, heute auch Vesper genannt, basiert auf dem Rezept eines klassischen Martini mit Gin und Vermouth. Bond lässt sich aber zusätzlich Vodka einschenken. Ein regulärer Vodka Martini ersetzt hingegen den Gin gänzlich durch Vodka. 

Rezepte

Nun haben wir Sie schon lang genug auf die Folter gespannt. Zeit, einen Blick auf verschiedene Vodka-Martini-Rezepte zu werfen. Natürlich ist auch Bonds Vesper dabei. Außerdem haben wir zwei extravagantere Optionen für Sie inkludiert.

Vodka Martini – Das Original

Der prototype Vodka Martini soll laut Cocktailhistoriker David Wondrich im Jahr 1905 in den USA, genauer in New Hampshire, entstanden sein. Der Geschichte zufolge habe ein Barkeeper versucht, Drinks für eine besuchende russische Delegation zu zaubern. Und welche Zutat eignet sich da besser als Vodka?

Nur sechs Jahre später soll ein vereinheitlichtes Rezept auf der Karte im St. Charles Hotel in New Orleans gestanden haben. Das bis dahin als Russischer Cocktail bekannte Getränk bestand zu 60% aus Vodka und zu 40% aus einem russischen Kirschlikör. 1920 folgte dann die Prohibition und in den USA floss für 13 Jahre kein Tropfen Alkohol, zumindest nicht offiziell. Fünf Jahre nach deren Ende, im Jahr 1938, kletterte die Beliebtheit der russischen Spirituose langsam Richtung Himmel. Das sollte niemanden wundern.

Verbote machen Lust auf mehr 

Wie die Jugendjahre jeder Person zeigen: Verbote machen Dinge attraktiver. So halfen sich durstige US-Amerikanerinnen und -Amerikaner unter anderem mit in Badewannen gebranntem Schnaps über die Runden. Sie können sich wahrscheinlich denken, wie dankbar die Bevölkerung der USA nach dem Ende der Prohibition über jede professionell produzierte Spirituose war – vor allem, wenn sie vom anderen Ende der Welt stammte.

Dass also jemand versuchte, den Vodka in bereits existierende Rezepte zu integrieren, war nur eine Frage der Zeit. Spätestens 1951 war der Vodka Martini bereits in feststehender Begriff unter Spirituosenfans. Denn in diesem Jahr tauchte der Begriff erstmalig auch in einem Buch auf, nämlich Bottom’s Up von Ted Saucier.

Zutaten

Zubereitung

Geben Sie den Vodka sowie den trockenen Wermut in ein großes, mit Eis gefülltes Glas und rühren Sie vorsichtig mit einem Barlöffel um. Seihen Sie die Mischung anschließend ohne das Eis in ein Cocktailglas ab und garnieren Sie den Drink mit einer grünen Olive.

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Vesper – Bonds Nummer 1

Im ersten Bond-Buch, Casino Royale (1953), ist die Rede von „3 Maß Gin, 1 Maß Vodka, ein halbes Maß Kina Lillet“. Allerdings gibt es ein Problem. Kina Lillet wird seit 1987 nicht mehr produziert, da dessen Chiningehalt zu hoch war. Falls Sie sich jetzt fragen, welche Risiken ein übermäßiger Konsum von Chinin birgt, empfehlen wir Ihnen unseren Blogbeitrag zu Tonic Water. Darin erklären wir übrigens auch, welche Personengruppen gänzlich auf Chinin verzichten sollten. 

Deswegen möchten wir Ihnen den modernen Vesper Martini anbieten, benannt nach dem ersten Bond-Girl, Vesper Lynd. Laut der International Bartender’s Association lautet dessen Rezept wie folgt:

Zubereitung

Schütteln Sie alle Zutaten auf Eis. Seihen die Mischung anschließend ohne das Eis in eine zuvor gekühlte Cocktailschale ab. Dekorieren Sie das Glas anschließend mit der Zitronenschale.

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Espresso Martini – Martini auf Abwegen

Strenggenommen hat dieser Cocktail wenig mit Martinis zu tun. Wo sich der Vodka Martini zumindest durch trockenen Wermut und einer grüne Olive an das Originalrezept hält, verzichtet der Espresso Martini komplett auf solche Zutaten. Lediglich der Vodka ist noch vorhanden – der aber nur im modifizierten Vodka Martini vorkommt. Entstanden ist der Espresso Martini Ende der 1980er Jahre in London, genauer im Lokal Fred’s Bar. Ein Model soll dort einen Drink verlangt haben, der sie „aufweckt und danach fertig macht.“ Barkeeper Dick Bardsell leistete dem Wunsch Folge, mischte Vodka und Espresso zusammen und schuf somit den Espresso Martini. Der Kahlúa wurde erst später ergänzt, mit dem offiziellen Rezept der International Bartender’s Association.

Zutaten

Zubereitung

Geben Sie alle Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker. Schütteln Sie gründlich und seihen Sie die Mischung in eine Cocktailschale ab. Garnieren sie den Cocktail abschließend mit 3 Kaffeebohnen.

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Porn Star Martini – der Verruchte

Obwohl der Name anderes vermuten lässt, hat dieser Cocktail laut Schöpfer Douglas Ankrah wenig mit pornografischen Filmen zu tun. Laut eigener Angaben soll Ankrah nicht mal Fan solcher Streifen sein. Er wollte lediglich, dass der Name seines Drinks unmissverständlich vermittelt: Dieser Cocktail hat soviel Stil wie er Selbstbewusstsein hat. Viele scheinen sich trotz dieser Erklärung am Namen gestört zu haben. Im Jahr 2019 musste etwa die britische Supermarktkette Marks & Spencer nach zahlreichen Beschwerden ihren Porn Star Martini in „Passion Star Martini“ umbenennen.

Zutaten

Zubereitung

Geben Sie alle Zutaten mit Eis (außer den Champagner) in einen Shaker und schütteln Sie gut. Seihen Sie die Mischung in ein vorher gekühltes Cocktailglas ab. Nehmen Sie nun ein ebenfalls vorher gekühltes Shotglas, in das Sie den Champagner geben. Falls Sie sich jetzt wundern: Zwar ist der Champagner Teil der Zutatenliste des Porn Star Martinis, er wird aber dazu genossen. Er ist kein Bestandteil des Cocktails selbst. Auf Wunsch können Sie den Porn Star Martini noch mit Passionsfruchtscheiben garnieren.

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Wir hoffen, sie hatten Freude an unserem Exkurs über den Vodka Martini und den berühmtesten Geheimagenten der Welt. Sollten Sie jetzt Interesse an weiteren Martini-Rezepten entwickelt haben, können wir Ihnen unseren Blogbeitrag über Martini Cocktails empfehlen. Sie stehen auf das Original und generell ist Gin eher Ihre Forte? Wie wäre es dann mit unserem Beitrag über die besten Gin-Sorten.

Passend dazu möchten wir Ihnen unseren YouTube-Kanal, die Schüttelschule, ans Herz legen. Dort haben wir eine Vielzahl von Videos, in denen wir Ihnen zeigen, wie Sie einige der beliebtesten Cocktails der Welt zubereiten.

Sämtliche Spirituosen in diesem Beitrag können Sie selbstverständlich via unserer Website, Telefon oder in unserem Geschäft in der Essener Innenstadt erwerben. Dort steht Ihnen unser fachkundiges Personal mit Rat und Tat zur Seite. Bei Fragen können Sie uns sowohl via Mail an info@banneke.de als auch telefonisch unter 0201 247710 erreichen.

Wir verbleiben mit einem herzlichen

CHEERS!

Ihr Banneke-Team

[Bildquelle: Lizenzfreies Foto von pixabay.com]

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